Author: Morgan » 14. Apr 2011, 16:54
Alraune (Mandragora officinarum) Zauberwurz, Schlafapfel, Erdmännlein
Die Königin aller Zauberkräuter
Alraune - eine der wichtigsten Pflanzen
Albruna war ein alter römischer Name für eine germanische Weissagerin. In manchen Gegenden hielt sich dieser Name für Hexen und kluge Frauen.
In unseren mitteleuropäischen Breiten wachsen zwei Alraunenarten, die als männliche und weibliche Alraune bezeichnet werden.
Mandragora officiarum var. autumnalis und Mandragora officinarum L. Die Frühlingsalraune steht für die männliche Form, während die Herbstalraune für die weibliche steht. Dies ist keine botanische Eigenschaft, sondern eine rein magische Zuordnung. Die Mandragora kann in milden Gebieten und im Weinbauklima angebaut werden. Sie ist dort winterhart. Als Inhaltsstoffe wären zu nennen: Atropin, Hysocyamin und Scopolamin. Die Wirkung der Alraune wird als narkotisierend, psychoaktiv, halluzinogen und aphrodisisch bezeichnet, wobei der narkotisierende Aspekt im Vordergrund steht. Alle Teile von ihr sind giftig und mit Vorsicht zu behandeln. Vor und im Mittelalter wurde die Alraune trotz ihrer Giftigkeit bei Operationen eingesetzt. Dazu wurde ein Tee aus Alraunenwurzel, Maulbeersaft, Mohnextrakt, Bilsenkraut und Schierling angesetzt. Dieser wurde auf einen Schwamm geträufelt und dem Patienten unter die Nase gehalten, solange bis dieser einschlief. Nach der Operation wurde der Patient mit Fenchelöl-Düften wieder aufgeweckt. Weitere traditionelle medizinische Anwendungen waren: Minimales essen der Früchte oder einatmen des Duftes, um Schlaf und Betäubung zu bewirken. Der eingedickte Saft aus Rinde und Wurzel wurde als Medikament aufbewahrt. Getrocknete Wurzeln verwendete man früher auch gegen Augenentzündungen, entzündete Wunden, Verhärtungen, Schlangenbiss und Gelenkschmerzen, ebenso galt sie als Fruchtbarkeits fördernd. Wenn auch die Gefahr bestand, aus diesem Schlaf nicht mehr zu erwachen, wurde Alraunen-Wein gegen Schlaflosigkeit getrunken.
Sie gilt als Zauber-, Heil- und Giftpflanze. Ihr Name setzt sich aus Alb (Kobold) und raunen, (flüstern) zusammen. Angeblich verbirgt sich hinter der Alraune das magische Zauberkraut Moly (höchst wahrscheinlich eine Allium Art = Lauch) der antiken Zauberin Circe.
Nach mittelalterlicher Vorstellung wuchs die Alraune unter Galgen und sei aus dem Harn oder Sperma eines erhängten Diebes entstanden. Man glaubte, dass eine so wichtige Zauberpflanze nur unter großer Gefahr gesammelt werden könnte. Wer sie sammeln wollte, musste die begehrte Pflanze mit einem Schwert umkreisen und danach mit nach Westen gerichtetem Gesicht nach ihr graben. Der Sage nach war der Wurzelgräber dabei vom Tode bedroht. Die Gefahr konnte umgangen werden, indem man einen schwarzen Hund an die Pflanze band und diesen dann die Alraune herausziehen ließ. Es hieß, dass das Alraunenmännchen beim Herausziehen einen todbringenden Schrei ausstößt, woraufhin der Hund stirbt. Wenn man sich jedoch die Ohren zuhält, kann auch so die Wirkung des Schreis, gemildert oder aufgehoben werden.
Wenn man eine Alraunenwurzel zu Hause auf einen Kaminsims legt, ruft sie Schutz, Fruchtbarkeit und Wohlstand herbei. Man kann sie aber auch über das Kopfende von Betten hängen, um die in dem Bett liegende Person zu schützen. In der Gegenwart von Mandragora kann sich kein Dämon breit machen, daher wird sie auch zur Austreibung genutzt. Außerdem schützt sie vor ansteckenden Krankheiten und zieht, als Amulett am Körper getragen, Liebe an. Aufgrund ihrer magischen Fähigkeiten (wohl auch wegen der narkotisierenden Eigenschaft), war sie Bestandteil der "Hexensalbe".
Eine getrocknete Alraunwurzel muß “ aktiviert“ werden (um ihre ruhenden Kräfte zu wecken). Aktiviert wird wie folgt: Die Wurzel (ungestört) an einen markanten Platz in der Wohnung legen und dort drei Tage belassen. Danach in ein Bad mit warmen Wasser legen und sie über Nachte dort lassen. Danach ist die Mandragora aktiviert. Das Badewasser kann zum Schutz der Wohnung/ des Hauses versprengt werden, Personen werden damit gereinigt. Als Ersatz für Alraune (sie ist zu selten und zu teuer) dienen:
Eschenwurzeln, Äpfel, die Wurzel der Zaunrübe (giftig) Amerikanischer Maiapfel (alle Teile giftig bis auf die Frucht) und viele andere....
Wenn die Alraunwurzel zu Reichtum und Wohlergehen verhelfen soll, benötigt sie eine regelmäßige Pflege. Laut Grimm 1875-1878, Haerkoetter & Haerkoetter 1986 und Rätsch 1998 soll sie jeden Freitag in rotem Wein gebadet und in ein Kleid von roter und weißer Seide gehüllt, sowie in einen Mantel aus schwarzem Samt gewickelt werden. Der Vater durfte sie nur an seinen jüngsten Sohn weiter vereben.